Sonntag, 19. September 2010

BESSER oder ANDERS

Die Behauptung, die immer wieder zu der Frage führt "sind Massenprodukte nicht so gut wie Individual-Produkte", ist für mich teilweise eine unberechtigte Argumentation.

Sind Puma-Schuhe nun besser als Adidas-Schuhe oder sind sie nur anders? Sind Spirituosen, die in großen Mengen hergestellt werden, nun schlechter gegenüber denen, die in kleineren Chargen hergestellt werden?
Vorab sei gesagt, dass diese Gegenüberstellung sich auf Spirituosen bezieht, die sich auf qualitativen Ansprüchen, Firmenhistorie und Bekanntheitsgrad zurück blicken.

Warum wird die Nase gerümpft, wenn ein Bacardi zum Einsatz kommt? Nur weil dieser in Masse hergestellt wird, steht der Qualität doch nichts entgegen. Warum meiden die meisten einen Gordon's Gin? Ist dieser nicht ein typischer und charakteristischer Gin? Warum kein Johnny Walker Red Label für einen Rusty Nail? Ist er zu günstig und all zu gegenwärtig?

Seit vielen Jahrzehnten gar Jahrhundert waren solche Produkte doch gut genug und haben sich ihre Qualität bewahrt. Unmengen an Firmen und Produkten ließen sich aufführen, denen dieses Fehlverhalten entgegen gebracht wird.

Ich sehe dieser neuen Etiketten-Jagd, die darüber hinaus gern von Persönlichkeiten vorgetragen werden, eher skeptisch entgegen.
Ich kann mich noch entsinnen, als Bombay Sapphire eines der NON PLUS ULTRAS war und jetzt durch den ständigen Zuwachs neuer Gin-Produkte immer mehr in die hinteren Rängen verdrängt wird. Wird mein Martini Cocktail nun BESSER wenn ich einen neuen Gin mit neuen bzw. einer Vielzahl an Botanicals verwende oder wird dieser schlicht und ergreifend nur ANDERS?!
Neue Produkte (evtl. in kleineren Chargen hergestellt) sollen ja auch immer etwas Besonderes vorweisen und sich von den Massen-Produkten abheben. Erreicht soll dieses nicht allein durch den Preis, vielmehr sollen Exklusivität, Qualität und Individualität zum Ausdruck gebracht werden.
Ich wage daran zu zweifeln, dass Massenprodukte wie Bacardi, Gordon's, Johnny Walker, Jim Beam und wie sie alle heißen mögen, eine schlechtere Qualität besitzen. Einzig und allein geht es doch um Geschmack und dem Verhalten/Beständigkeit in Mixturen. Dass solche Massen-Produkte auch zu einem ganz anderen Preis angeboten werden, erklärt sich von selbst- Produktionsmenge und Marktanteile.

Meiner Erfahrung nach, sind die großen Behauptungen vieler ...na ja, wie wollen wir sie hier denn nennen..., absoluter Schwachsinn und obendrein eine blinde Etikettenfolgsamkeit.
ANDERS ist nicht immer BESSER!!!

Eines möchte ich dennoch verlauten lassen, ich bin ein großer Befürworter neuer Produkte und begrüße diese mit großem Interesse, die in Handarbeit und nicht als Massenware uns erreichen.

Alles wo es hingehört und passt, denn erlaubt ist was schmeckt und die Ansprüche an Qualität stehen dabei eh in erster Linie und nicht die Quantität.

Kommentare:

Olaf Wüstenhagen hat gesagt…

Guter Bericht.
Ich stimme Dir fast überall zu.
Ich find es aber traurig, dass gerade bei großen Marken der oft Alkoholgehalt heimlich zurückgeschraubt wurde, nur um ein paar Euro Steuern zu sparen. Dagegen liefern oft die kleineren Nischenprodukte die volle Pracht ihres Produktes obwohl sie weinger finanizielle Mittel besitzen. Das macht mir die Kaufentscheidung und die Unterstützung einiger Marken einfach.
Gruß Olaf

B@rGeist hat gesagt…

@Olaf, da stimme ich Dir absolut zu, doch ging es mir nicht einzig und allein um die Möglichkeit den Alkoholgehalt entsprechend auf das Produkt zu münzen, nein, viel mehr um die Ansicht- und Handlungsweise und den dazu gehörigen Interpretationen.
"BESSER oder ANDERS"

Thorsten hat gesagt…

Ich denke, dass der Punkt "neu ist besser" sich auch dadurch begründet, dass das "alte" Produkt geschmacklich ausgereizt ist. Man kennt es, es bietet keine "Überraschungen" mehr und somit "verstaubt" es, wie der Film im Regal, den man einmal zu oft gesehen hat.
Ebenso kann ich mir aber auch vorstellen, dass durch die Massenherstellung, gleich welchen Produkts, ein Teil der Charakteristik verloren geht. Als Beispiel: Durch moderne, leistungsfähigere Filteranlagen können einzelne Geschmacksnouancen aus dem Produkt verschwinden, so, dass der "Fledermausschnaps" vergleichsweise unaromatisch davon kommt, während ein kleiner Inselrum mit hauseigener Destillerie aromatische Höhenflüge erzeugt.
Bacardi ein schlechtes Produkt? Nein, aber vielleicht ein langweiliges...

B@rGeist hat gesagt…

@ Thorsten
Hmmm….das Thema heißt nicht „neu ist besser“ sondern „besser oder anders“.
Leider kann ich Deine Ansicht nicht ganz so teilen. Ein Film im Regal kann sich nicht verändern, aber das „alte Produkt“ erfährt doch durch Kreativität und Wissen im Umgang weiterhin seine Verwendung.
Das neue Produkte seinen Reiz haben und neue Möglichkeiten offerieren ist keine Frage. Aber sind sie nun BESSER oder ANDERS?!
Ob nun durch Massenproduktion die Produkte ihre charismatischen Merkmale verlieren oder nicht, wage ich nicht zu behaupten. Dafür müsste man wohl vom Anfang bis zum Ende der Produktionsweise dabei sein und verstehen, wo sich evtl. Verluste bemerkbar machen.
Und als langweilig halte ich „alte Produkte“ keines Wegs, denn langweilig wird nur etwas, wo Kreativität aufhört.
Aber wie auch immer, danke für Dein Kommentar.
B@rGeist